Mittwoch, 12. Juni 2013

Durch den Wind in der Schweiz

RTR, G. Dazzi

Gerade habe ich was Schönes gefunden: ein Gespräch, das ich 2010 mit Hardy Ruoss für die Reihe "52 beste Bücher" im Schweizer Radio über meinen Roman "Durch den Wind" geführt habe. Eine Frage besser als die andere. Ich weiß noch genau, wie euphorisiert ich aus dem Sender gelaufen bin. 
Was mich jetzt beim Hören nach drei Jahren aber doch sehr erstaunt, ist, wie wenig ich auf seine Fragen zur Emanzipation eingegangen bin.Und was mich auch noch erstaunt: dass ich heute das erste Mal nachgeschaut habe, wie er eigentlich aussieht, der Herr Ruoss. Hier ist er, und hier kann man's Nachhören: Klick.




Montag, 10. Juni 2013

34 Meter über dem Meer als Hörspiel

Zwei Frauen beim Einsprechen eines Hörspiels im Tonstudio (Rechte: WDR)



Im WDR 5 läuft am Dienstag, den 11. Juni, um 20.05 Uhr "34 Meter über dem Meer" als Hörspiel.

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Ella und Horowitz klingen, und Ellas Mutter erst!

Als ich das Hörbuch von "Durch den Wind" das erste Mal gehört habe, war ich erstaunt, wie groß die Diskrepanz  zwischen den inszenierten Sätzen und den Sätzen in meinem Kopf waren. "Meine" Frauenfiguren waren beispielsweise viel freundlicher und witziger als in der Inszenierung. In den Tagen danach habe ich mich immer wieder gefragt, ob ich mich selbst vielleicht auch wesentlich freundlicher und witziger einschätze als die Welt da draußen das tut, und habe inständig nach einer Form gesucht, meine Freunde dazu zu befragen, ohne mich komplett lächerlich zu machen.
Diese Art Rückschluss von meinen Texten auf mein Selbstbild finde ich normalerweise irrelevant und uninteressant, aber durch die Interpretation eröffnete sich ein Raum, in dem solche Fragen auftauchten.

Für mich wird das morgen also aus mehreren Gründen ein aufregender Abend, und meine Freunde werden in den nächsten Tagen dann vielleicht auch wieder den einen oder anderen seltsamen Anruf bekommen.


Bearbeitung: Cornelia Walter 
Regie: Petra Feldhoff
Es sprechen: Anne Kanis, Peter Prager, Barnaby Metschurat, Barbara Schöne u.a.

Freitag, 17. Mai 2013

Nach Moos und nach Märchen



Das hier habe ich gerade fünffach von einem Paketboten überreicht bekommen, der aussah wie Patti Smith mit Mütze. Wenn das kein großartiges Omen für ein Buch übers Nachtleben ist!

Die Sammlung ist bei Suhrkamp erschienen und handelt u.a. von Moos und Märchen, Menschenfischern, Mülltüten, Maulbeeren und einem Hegelator. Meine Erzählung sucht das Berghain und findet Jessica 800. Marc Fischer stand auch "Vorm Berghain" - ich werde ich jetzt gleich mal lesen, was er da zu suchen hatte.

Nächsten Freitag lesen Jenni Zylka, Imran Ayata, Bernd Cailloux und ich unsere Geschichten vor, moderiert von Dirk Knipphals. Anschließend spielt Doctorella. Kommt Ihr?

24. Mai 2013 um 20 Uhr im Ex-HBC, Karl-Liebknecht-Straße 9


Mittwoch, 20. März 2013

40 Jahre, 40 Bücher und 1 Handstand




Mein Bruder schenkt mir jedes Jahr zu Weihnachten Bücher, die mein Freund Marc von der Münchner Lieblingsbuchhandlung Lehmkuhl auswählt. Und jedes Jahr denke ich wieder, woher weiß der so genau, wer ich bin?

Gerade bin ich vierzig geworden, und diesmal hat ganz Lehmkuhl gesucht. Das Ergebnis hat mich umgehauen: Vor Ihnen steht ein Porträt in 40 Büchern. Ein bisschen so sehe ich schon aus, finden Sie nicht?

Inzwischen bin ich überzeugt, dass die Lehmcoolen nachts in meine Wohnung einsteigen und mein Bücherregal fotografieren. Wie sonst ist es möglich, dass sie bei vierzig Büchern, die ins Schwarze treffen, nur sechs Bücher ausgesucht haben, die ich schon kenne, und alle mochte?

Björn Bickers, Kathrin Rögglas und Elfriede Jelinkes Bücher standen sowieso auf meiner Liste, über Marie-Louise Scherer habe ich gerade ein tolles Porträt von Katharina Teutsch gelesen, über die Vergessen-Sie-Shades-of-Grey-Schmonzette "Versuchung" habe ich sehr gelacht, Jonas Lüscher ist mir gerade vom Tucholsky-Buchhändler als neues Lieblingsbuch empfohlen worden, Über die Liebe lese ich sowieso am liebsten, auch wenn es ihre kapitalistische Formatierung oder eine desaströse Verbindung zu einem 15 Jahre jüngeren Mann ist - und so geht es in einem fort. Im Stapel liegen Bücher über Kokain, Brüste, Versteckspiele und Heimschwimmen. Wie soll man an einem solchen Geburtstag nicht glücklich sein?

Als Dank habe ich den ersten freistehenden Handstand meines Lebens gemacht.

Montag, 11. März 2013

Das ist das Haus vom Nikolaus - Düsseldorfer Performances

Hartmut Fetter: Tüten und Noemi Weber: Das Haus

Seit einiger Zeit unterrichte ich die Klasse Katharina Grosse an der Düsseldorfer Akademie in Textarbeit. Wir lesen inspirativ Flusser, Kamper, Deleuze, Didi-Huberman und die Anderen. Wir schauen uns die neuesten Arbeiten an, die im Atelier entstehen, und setzen sie zu den Texten in Verbindung. Das ist Synapsen-Rock vom Feinsten.

Julia Gruner: Bodenplatten

Beim letzten Rundgang hat die Klasse zusammen mit den großartigen Performance-Künstlern Prinz Gholam Performances erarbeitet. Ich war nur eineinhalb Tage dabei, habe aber eine Woche gebraucht, bis ich  Stewardessen, Kassiererinnen und Kellner nicht mehr des Rollenspiels verdächtigt habe. Ich musste ständig an Handkes Stück "Der Tag, an dem sie nichts voneinander wussten" denken und habe das erste Mal in meinem Leben bewusst geduscht.

Julius Linnenbrink: Kreide

Jeder Dreh an jedem Knauf ein Handgriff mit Metaebene. Jedes Stehen an jeder noch so zugigen Haltestelle mit der Frage versehen, ob wir nicht alle unser Sein performen. Irgendwann war ich dann zu lange in einer Bar, und die Welt als Performance hatte sich wieder ausgerauscht, meine Handgriffe wurden wieder fahrig, und das Wasser prasselte prä-rundgang-mäßig unbehelligt hinter meinem Rücken auf den Boden.

Domingo Chavez: Produktion und Anna Spät: Haare

Schön war die Szene, als ein älteres Ehepaar vor drei Studierenden (Domingo, Aeran, Noemi) stand, die rhytmisch und versunken Zettel an Holzplanken tackerten, und sich ratlos fragte: "Sollte hier jetzt nicht eine Performance stattfinden?"

Paula Förster und Fridolin Schoch: Kohlenseil


Alle Besucher, die mit dem "Ikea-Blick" in die Räume kamen, entgleisten: "Die Klasse Grosse stellt nichts aus." Die meisten anderen waren begeistert. Und noch ein Gerücht ging in den Gängen rum: "Habt Ihr gesehen, die Grosse hat einen silbernen Anzug an? Die performt sicher gleich..."

Liza Dieckwisch, Aeran Kim: Jetzt

Was mich so begeisterte, war, dass jede der Performances es geschafft hat, meine Wahrnehmung so zu schärfen wie schon lange nicht mehr. Für Schritttempi und Zeitwahrnehmung, für Bodenbeschaffenheiten, die Dynamiken des An-einem-Seil-Ziehens, Rückenansichten in der Malereigeschichte, über Intimsphären und Haareziehen und darüber, dass man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

Marco Biermann: Traummaschine
Manche haben sich mehr riskiert, andere weniger, manche haben die Spannung gehalten, andere haben genau das nicht getan. Aber alle haben eine Ausdrucksform gefunden, die nicht übers Sofa passt, aber ihren eigenen Arbeiten einen ganz neuen Dreh gaben.


Paul Czerlitzki: Körper
Zum Schluß gab's bunte Nudeln.

HannaStragholz, Anica Kehr, Lukas Glinkowski: Nudel
Und einen Blick mit Caspar David Friedrich auf die Wand, an der die Kunst nicht mehr hängt.

Josef Zky: Aussicht


Und eine wunderbare Zeitung gab's auch noch. Bravo! Auch an die, die hier nicht verewigt sind.


Und als Nachtrag eine von Lea Peters' Performances mit der ganzen Klasse und eine weitere Rückenansicht, diesmal mit Hut:



Freitag, 8. Februar 2013

Gegen den Steinzeit-Rock!

Hufheels von Iris Schieferstein

Hier mein Fernschreiber-Essay, der am 7. Februar im Zündfunk auf Bayern 2 lief:

Die Steinzeit, Darwin und das Ehrenkreuz der deutschen Mutter – das ist die Hintergrundmusik, die den Refrain im deutschen Familienlied begleitet. Dass die Rollenverteilung biologisch begründet und seit der Steinzeit evolutionär erfolgreich überdauert, ist falsch; dass unser Mutterbild hingegen immer noch Resonanzen zur Nazi-Mutter hat, ist schlimm und keineswegs ein alter Zopf. Ministerin Schröder reflektiert ihre ideologische Formatierung genauso wenig wie all jene, die zwar mehr Kinder für Deutschland wollen, aber weiter auf die deutsche Mutter im Haus und den deutschen Vater in der Arbeit setzen.

Nur ein Viertel der Kinder sind in der Frühbetreuung, der Rest robbt meist ohne Geschwister über den Teppich der mütterlichen Stube. Ein Teppich voller ideologischer Flausen übrigens, über den sich Frauen, die in der DDR aufgewachsen sind, meist nur wundern können, aber bleiben wir bei der Sache: Kitaplätze fehlen, und bevor Frau Schröder diesen Mangel nicht behoben hat, kann der alte Zopf nicht ab, solange verfilzt der Teppich weiter. Doch für Herrn Schröder war Familienpolitik Gedöns, Frau Schröder ist die Personifizierung dieses Gedöns, und das Problem liegt tiefer.

Sei es in der Sexismus-Frage, der Familienpolitik oder der Lohngerechtigkeit – wir brauchen zuerst ein Geschlechterverständnis, das nicht mehr auf biologistischen Annahmen beruht. Kein Stier/Ochsen/Kuh-Gefasel mehr!
Gegen solche Naturalisierungen helfen Historisierungen. Sie zeigen, dass Irrwege nicht naturgebunden und unveränderlich, sondern kulturbedingt und veränderbar sind. Wir müssen also den Wirklichkeitsraum erfassen (und der sieht heute so aus: Kleinfamilie und Ehe sind nur zwei mögliche Modelle von vielen und keine Leitbilder mehr); dann müssen wir den Möglichkeitsraum (Wie wollen wir leben?) durch historische Dekonstruktion des heutigen Zustands öffnen, und das Ganze popularisieren. (Wie erklär ich‘s den Brüderles und Schwesterles?)
 
Öffnen wir also, indem wir das biologische Wesen der Geschlechter durch ihre historische Konstruktion ersetzen: Die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun hat den Ursprung der Geschlechterdifferenz mit der Entstehung der Schrift verbunden. In den Grundzügen besagt ihre These, dass der Abstraktionsprozess, der durch die Schriftlichkeit in Gang gesetzt worden ist, beide Geschlechter gleichermaßen auf ihre Rollen festgelegt hat: Der Mann mit seiner unsichtbaren Zeugungsfähigkeit wurde mehr und mehr der Schrift, dem Geist und der Wahrheit zugeordnet und aufgewertet, während die Frau mit ihrer sichtbaren Gebärfähigkeit dem Prinzip des Lebens, dem Körper und der Natur verbunden und abgewertet wurde. Daraus resultierte dann das Denken in Gegensätzen und Widersprüchen, das unser Verständnis heute noch prägt.

Die These ist sogar noch komplizierter, als sie hier klingt, aber es geht mir um etwas Simples: Frauen- und Männerrollen  haben sich historisch-kulturell entwickelt und wurden nachträglich naturalisiert. Es liegt also an beiden Geschlechtern die Festschreibungen zurückzuweisen und auf die Möglichkeit einer gesellschaftlichen Ordnung zu setzen, die auf Differenzen statt Gegensätzen beruht, und in denen Männer und Frauen gleichermaßen und in allen möglichen Rollen repräsentiert sind. Dass Frauen und Männer, Hetero- und Homosexuelle, Alleinerziehende und Paare, Verheiratete und Unverheiratete gleich gut leben wollen, obwohl sie anders sind, ist kein Widerspruch, sondern normal. Dass die Politik ihnen auch die gleichen Möglichkeiten einräumen sollte, wäre normal, ist es aber nicht. Und wem das jetzt alles zu kompliziert ist, der zieht eben nach Schweden.

Mittwoch, 30. Januar 2013

MAKE LOVE NOT PEACE!



Diese vier Wörter und das Ausrufezeichen stehen in einem Quadrat auf der Rückseite des Merve-Buchs, das ich gerade zugeklappt habe, und das neben Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe das Beste ist, das je über die Liebe geschrieben wurde.

Nachdem mir Eva Illouz mit ihrer These der Ökonomisierung der Gefühle zwar die Wahrnehmung für den Konsum der Romantik geschärft hat, konnte ich doch nie daran glauben, dass die Liebe darin aufgeht. Und jetzt weiß ich auch warum: "Weder das romantische Narrativ noch seine Entzauberung in der postromantischen Sequenz einer sich als Phantasma identifizierenden Liebe treffen ihren aporetischen Kern, der sie als gelebte Differenz ausweist." 
In Steinwegs Text findet sich ein weltaufschließender Satz nach dem anderen:
"Intensität ist, was sich nicht widerstandslos kanalisieren lässt. Wille zur Intensität ist Schablone und romantischer Kitsch." oder:
"Ich liebe, weil ich liebe; weitere Gründe brauche ich nicht. Es gibt keinen Grund, die Liebe Gründen zu unterwerfen. Ihre Kraft liegt in der Weigerung, sich zu plausibilisieren."oder:
"Der Schwärmer liebt, um nicht zu lieben. Er liebt, wenn man dies Liebe nennen kann, sich selbst als Opfer seiner Passion. Er ist das autoerotische Subjekt schlechthin. Nichts kann ihn mehr entzücken als die Intensität seines Erlebens." 

Das Buch lag übrigens schon ein Jahr auf meinem Bücherstapel, nachdem Freunde Marcus Steinweg im Roten Salon gesehen hatten und meinten, bei dem funke es nur so. Jetzt lese ich seine Texte zur Kunst und dann Alain Badiou, den er andauernd zitiert und der mir bisher auch noch entgangen ist. Die Frage ist nur, wann man selbst noch schreiben soll, wenn man andauernd lesen will.
 





Montag, 21. Januar 2013

Jetzt aber echt!



Ja, Herbert ist mein bester Freund, ABER falls ich Sie bisher noch nicht überzeugen konnte, "Herbert liest" anzuschauen, dann bleibt Ihnen jetzt keine andere Wahl mehr, denn in der neuen Folge blitzt endlich das Talent auf, für das er bei seinen Freunden berühmt-berüchtigt ist. Folge 9 ist noch viel besser und amüsanter als die Folgen davor, weil Herbert endlich einen Hauch böse sein darf. Nach meinem Geschmack immer noch viel zu dosiert und gezügelt, aber ein bisschen blitzt sie schon durch, die Schärfe, für die ich ihn so verehre. Wenn Sie wüssten, wie gepfeffert das Ganze aussähe, wenn er dürfte, wie er wollte... Hier eine erste kleine Ahnung.



Donnerstag, 10. Januar 2013

Berliner Wintersalon

c/o Günther Steffen

In einem Friseursalon habe ich schon gelesen, in einer Kaffeerösterei, einem Bademodenladen, ich arbeite an meiner ersten Kreuzfahrtlesung (natürlich nur weil ich David Foster Wallace so verehre). Sauna mag ich nicht und Schwitzhütten auch nicht (obwohl die Lesung in dem Zelt auf dem Prenzlauer Berg Literaturfest eigentlich eine 1A-Entgiftung war und ich mich dabei auch noch prächtig mit Marion Brasch unterhalten habe) -  aber diese Jurten hier, die sehen aus wie aus der Käsetheke im Lafayette oder wie die Knöpfe an einem Mongolenhemd, und in die Mongolei, da würde ich natürlich noch viel lieber hin als auf eine Kreuzfahrt. Also lese ich nächste Woche gleich dreimal aus 34 Meter über dem Meer in the Yurts. Am Donnerstag um 14 und um 16 Uhr und am Sonntag um 19 Uhr. Mit Jenny Erpenbeck, Marica Bodrozic, Nora Bossong, Jan Wagner und vielen anderen Autoren.

Einen Buchtipp hab ich auch noch: Howard Jacobsons Liebesdienst. Ein großartiger, erotischer Roman, der in seiner Leidenschaftlichkeit ein Gegenstück zum durchgecoachten und problemlösungsorientierten Beziehungsdiskurs ist, der mir mehr und mehr auf die Nerven geht, und der nebenbei meine herrlich verschneiten und verschlutzkrapften Weihnachtsferien in Südtirol gepfeffert hat. Der Roman, meine ich.

Montag, 17. Dezember 2012

2012 darf jetzt zu Ende gehen...

 
 Wenn das nicht nach Schreibwut aussieht! Nächstes Jahr ist der Roman dran, nur der Roman! Oder sagen wir: fast...  
 

  •  34 Meter über dem Meer (Roman), C. Hanser Verlag, München.
  • Mode - ein kulturwissenschaftlicher Grundriss (Sammelband). Herausgegeben von  Laura Bieger, Annika Reich und Susanne Rohr, W. Fink Verlag, München. Einleitung von A. Reich und L. Bieger.
  •  Dietmar Kamper: Traumbuch. Träumen als Einbildungskraft (Nachgelassene Schriften). Herausgegeben von Bernd Ternes, Annika Reich und Rudolf Heinz, W. Fink Verlag, München. Vorwort von Annika Reich: Der Traum vom Umzug ins Offene - Dietmar Kampers hermetische Poesie. 
  •  Wenn ich dich liebe, was geht es dich an? (Erzählung). ARD-Radiofestival. 
  • Verdichtete Transparenz (Text zu dem Kunstbuch von Bettina Khano: You may appear closer than you are) Hatje Cantz Verlag, Berlin.
  • "SEO's personal evolution" Essay zu ihrem neuen Zyklus "personal evolution" in der Zeitschrift art.es auf Englisch und Spanisch.
  • "Verwunschene Wirklichkeiten" (Katalogtext zu Bernd Kirschner). Galerie Michael Schultz Berlin.
  • SEO hinter den Spiegeln (Katalogtext zu SEO). Galerie Michael Janssen. 
  •  "Und dann macht Venedig cheese!" (Radio-Essay zum Thema: Stadt-Rat), Zündfunk, Bayern 2. 
  •  "Spule ins Meer" (Radio-Essay zum Thema:  Plus Eins), Zündfunk, Bayern 2. 
  • "Der schiefe Turm von Pisa"  (Radio-Essay zum Thema:  Lernziel), Zündfunk, Bayern 2.
  •  "Er will doch nur spielen" (Radio-Essay zum Thema: Womit müssen wir Rechnen?), Zündfunk, Bayern 2.  
  • "Der Mut der letzten Zeit" (Erzählung) SALZ, Zeitschrift für Literatur, Salzburg.
  • "Erinnerung" (Liedtext) mit Gudrun Gut, auf Gudrun Guts Album: Wildlife.  
  • "Weihnachten im Stück" (Erzählung) in: Susanne Gretter (Hg.): Wie immer unverhofft. Neue Weihnachtsgeschichten, Suhrkamp Verlag, Berlin.  
  • "Fallen oder Passen, oder warum letzten Endes nur Ästhetik hilft"  (Radio-Essay zum Thema:  Wer macht die Gefühle?), Zündfunk, Bayern 2.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Fernschreiber: Wer macht die Gefühle?

 Gefühle im Lichtnebel | Bild: picture-alliance/dpa


Der Zündfunk schreibt: 
Nachdem wir lange genug dabei gecoacht wurden, unseren vermeintlichen Burnout und unsere realen Depressionen in den Griff zu bekommen, feiert nun ein ganzer Schwung von Artikeln und Büchern den Mut zum Pause machen, zur schlechten Laune oder plädiert gar fürs Unglücklichsein. Warum? Weil sich die gesellschaftliche Stimmungslage im Halbjahrestakt radikal ändert? Weil ein bestimmter Ratgeber-Markt gesättigt ist und mit Burn-out-Büchern kein Cent mehr zu verdienen ist? Weil die Pharmaindustrie plant, ein neues Medikament auf den Markt zu bringen, zu dem das passende Krankheitsbild noch nicht gefunden, geschweige denn etabliert ist?

Und mir ist dazu eingefallen: "Fallen oder Passen, oder warum letzten Endes nur Ästhetik hilft".
Der Essay läuft heute Abend um 19.05 Uhr im Zündfunk auf Bayern 2.

Es geht um hysterische Spitzenkrägen, den Willen ins Bild zu passen, um Pillendreher und Ästhetik als leidenschaftliche Form der Wahrnehmung. Und mir ist bei der Recherche mal wieder aufgefallen, wie herrlich rasant Christina von Braun denkt. Kein Wunder, dass sie eine Spezialistin für Schwindelerregendes ist.

Ab morgen können Sie das dann alles auch auf der Homepage des Zündfunks nachlesen.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

2. Literarisches Quartett für Kinder


So sieht's aus in der Tucholsky Buchhandlung in Berlin Mitte. Und der Herr, der dort Bücher ordnet, ist Jörg Braunsdorf. Auf dem langen Tisch liegt nicht ein einziges schlechtes Buch, und auch in den Regalen ist eher Lyrik als Sarrazin. Hinten gibt's eine sehr gut sortierte, originelle Kinderbuchabteilung, keine Conny, sondern Mr. Gum, das absolute Lieblingsbuch meiner Kinder.
Manchmal spaziere ich nachts an dem Laden vorbei, und dann kommt es schon mal vor, dass Mr. B. noch da sitzt mit seinen Mitarbeitern. Er winkt mich dann rein, wir trinken zusammen, und er schenkt mir ein Buch und noch eins: "Das musst Du lesen! Und das hier... Wie das kennst Du nicht? Hier nimm es mit!"
Am Freitag moderieren wir zusammen das

2. Literarische Quartett für Kinder

um 16 Uhr in der Tucholskystraße 47.
Vier Kinder stellen ihre Lieblingsbücher vor. Gut, es sind wieder mal Katzen auf dem Cover, aber nicht nur, und trotz Katzencover war es beim letzten Mal großartig. Vier total souveräne Kinder, die mit großer Verve ihre Bücher vorgestellt und kritisiert haben. Kommen Sie vorbei! Am Freitag, oder auch mal nachts. Der Wein war fast so gut wie die Bücher.


Sonntag, 2. Dezember 2012

If the Impressionists had been dentists

Ab morgen unterrichte ich wieder mein Blockseminar "Textarbeit für bildende Künstler" an der Kunstakademie Düsseldorf.

Dafür hab ich nochmal im Rhizom gelesen und vollkommen vergessen, dass Deleuze und Guattari auch Sätze schreiben wie: "Die amerikanische Sängerin Patty Smith singt das Evangelium des amerikanischen Zahnarztes: sucht keine Wurzel, folgt dem Kanal..."

Noch besser ist nur Woody Allen zu dem Thema in einem fiktiven Brief von Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo If the Impressionist had been dentists:

Dear Theo,

Will life never treat me decently? I am wracked by despair! My head is pounding! Mrs. Sol Schwimmer is suing me because I made her bridge as I felt it and not to fit her ridiculous mouth! That's right! I can't work to order like a common tradesman! I decided her bridge should be enormous and billowing, with wild explosive teeth flaring up in every direction like fire! Now she is upset because it won't fit her mouth! She is so bourgeois and stupid, I want to smash her! I tried forcing the false plate in but it sticks out like a star burst chandelier. Still, I finf it beautiful. She claims she can't chew!
What do I care whether she can chew or not! Theo, I can't go on like this much longer!

Vincent.  

Außerdem habe ich Vilém Flusser wieder entdeckt: Dinge und Undinge und Vogelflüge. Und ich bekomme Schokolade auf meinen Platz gelegt. Ich meine, wenn das nicht alles ein Grund ist, morgen früh freudig um fünf aufzustehen...

Samstag, 24. November 2012

Lesepreis 2012





 "34 Meter über dem Meer" ist auf der shortlist des lovelybooks Leserpreises für den besten Buchtitel.
Das freut mich natürlich sehr!
Und die Titel, mit denen er konkurriert, sind auch vom Feinsten: "Spätzle Blues" und "Flaschendrehen furioso"...
Hier können Sie noch abstimmen, allerdings nur noch bis morgen.



 
  

Freitag, 23. November 2012

Von Hasenohren, Cayennegesichtern und dem Weiß in der Literatur



Was Edmund de Waal mit der Fratze eines Porsche Cayennes und mir zu tun hat? Wir waren gerade zusammen in Dresden.

Mit Hanser, vielen tollen und trinkfesten Buchhändlern und einer höchst beeindruckenden Ludmila Ulitzkaya. Edmund de Waal sollte über das Weiß seines Porzellans und ich über das Weiß und seine Funktion in meinem Roman "Durch den Wind" sprechen. De Waal hat dann auch gesprochen, und zwar in einer selten erlebten Mischung aus höchster Fragilität und Souveränität, die sich (wie ich finde) in seinen Ohren widerspiegelt, aber nicht über Weiß. Auch beim Abendessen nichts über Weiß. Weiß und Schweigen - das ist ja sowieso eine Geschichte für sich.

Niklas Maak hat uns am nächsten Tag die Zukunft des Wohnens vorausgesagt und eine Zombifizierung der Architektur diagnostiziert, die sich in Christian Wulffs KopfundKragen-Haus kristallisiere. (Schauen Sie sich dieses Haus nochmal an: Dafür hat er wirklich alles riskiert!)
Was mir dabei besonders eingeleuchtet hat, war Maaks Deutung der Fertighausmanie über eine Analyse der angsteinflößenden Fratzen von Porsche Cayenne und Co.: Die moderne Wohnkultur (und dazu gehören diese Art Schlitten mit ihren Plüschsitzen und Holzverkleidungen natürlich auch) denke vom Tode aus. Sie sei vollkommen auf Sicherheit und Abschreckung ausgerichtet und habe mit Lebenslust und Abenteuer, ja Lebendigkeit, nichts mehr am Hut. Für Berliner braucht es da nur ein Wort: Alexa.

Nachdem ich die ganze experimentelle Architektur aus Japan gesehen habe, möchte ich da jetzt doch mal wieder hin, sexistische Männer mit einzelnen langen, störrischen Barthaaren hin oder her...

Und noch was passierte in Dresden: Mir wurde bei meinem Vortrag klar, wie genau das Weiß in seinem Spektrum aus Entgrenzungszauber (endlose Schneelandschaften) und Erstarrungsmittel (Lawine) zu dem Thema in "Durch den Wind" passt, und auch (und das war mir ganz neu): wie sehr weiße Texte immer auch aufs Schreiben selbst reflektieren. Und: wie sehr sich darin die zentralen Metaphern meiner letzten beiden Romane -  Weiß und Meer - ähneln.

Wieder war es Kamper, der mein Denken befeuerte: "Den eigenen Texten nach, insofern sie Ausdruck von etwas Unbegriffenem sind."

Jetzt erst mal ausschlafen.







Montag, 8. Oktober 2012

Ihre meine unsre ihre seine



Das ist das Cover von Gudrun Guts neuem großartigen Album "Wildlife", das gerade herausgekommen ist, und für das ich zusammen mit ihr meinen ersten Songtext geschrieben habe: "Erinnerung". 
Gudrun fragte mich letztes Jahr, ob mir ein Text zum Thema Erinnerung einfiele, und ich schrieb einen ersten Versuch - über Madeleines, Vertigo und das Vergessen. 
Daraufhin sagte sie: "So, und jetzt das Ganze noch abstrakter, romantischer und gereimt." 
Tja. 
Und da saß ich nun und sollte reimen. Doch jedes Wort, das mir in den Kopf fiel, wurde sofort als Opportunist verdächtigt. Du, Wort, kommst mir doch jetzt nur in den Sinn, weil Du Dich reimen kannst und nicht etwa, weil Du was Substantielles über Erinnerung auszusagen hast! Also, wenn ich etwas nicht kann, dann ist es reimen. Ich fragte Michael Krüger, meinen Verleger, und er empfahl mir, ein Reimlexikon zu kaufen und unsauber zu reimen, aber besser wurde es dadurch nicht.
Am Ende haben Gudrun und ich Pingpong gespielt und uns einzelne Zeilen hin- und hergeschrieben, und so ist tatsächlich ein abstrakter, romantischer, gereimter Text entstanden. Mein erster Songtext!

Montag, 10. September 2012

Katharina Grosse in der Sammlung Hoffmann

Copyright: Lisa Zeitz


Weil es einfach unglaublich ist, wie Katharina Grosse diesen unfassbaren Raum von Erika Hoffmann in der Sammlung Hoffmann sprengt (auf der Wand links hinter KG geht's nochmal mindblowing weiter...), und weil sich gerade die Weiterarbeit an meinem ersten Kapitel sträubt, poste ich jetzt noch dieses Photo von Lisa Zeitz (die mit der Discokugel und dem Möbelporn, siehe ein paar Einträge weiter unten) hinterher.
Die Einladung zur Eröffnung hieß übrigens: Zu drinks and nippets, und keiner wusste genau, ob die nippets die pinken Bommel an Katharinas Hemd, die Cashews auf dem Buffet oder die Scoobidoos waren, die in einer Ecke von einer Truppe toller Kinder angeboten wurden. Doch jeder ahnte: nichts von alledem, denn dafür haben nippets zu viel Sprengkraft. Grosser Abend!