Donnerstag, 20. März 2014

Alice Nkom







Gestern durfte ich bei Katrin Göring-Eckardt Alice Nkom treffen.
Alice Nkom ist Rechtsanwältin und kämpft in Kamerun für die Rechte der Homosexuellen.

Es gibt Menschen und dann gibt es Menschen, denen man sofort ansieht, dass sie zu der seltenen Sorte gehören, die die Welt verändern können. Das klingt kitschig, ist aber glaskar. Eine vollkommen zentrierte Kraft und eine gleichzeitig gelassene und kämpferische Pracht.

Als wir sie fragten, wer ihre Feinde im Kampf gegen die Homophobie sind, sagte sie: die Ignoranz.

Das Foto sieht aus wie ein peinliches Fan-Foto, und es ist auch ein Fan-Foto, ich werde es mir rahmen.Wie ich ihre Hand festhalte...

Alice Nkom hat gerade den Amnesty International Preis gewonnen.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Fünf Vorschläge für das neue Jahrtausend

 


Jan Brandt, Nikola Richter, Clemens J. Setz, Jörg Albrecht, Hannes Bajohr und ich schreiben gerade gemeinsam live auf einem Etherpad. Auf 114, dem Blog des S. Fischer Verlags. Später mehr, jetzt muss ich schnell dahin zurück...

Donnerstag, 13. Februar 2014

Mittwoch, 12. Februar 2014

Warum ich die deutsche Einheit im Zirkus gefeiert habe - ein Geständnis

Bettina Khano: Befogged




Heute erzähle ich in unserem Faz-Blog "Ich. Heute. 10vor8.", warum ich die deutsche Einheit im Zirkus Roncalli gefeiert habe und was danach geschah. Eine sehr private Geschichte über die fehlende westdeutsche Selbstreflektion nach 1989.
Die Bilder in dem Beitrag sind Werke von Bettina Khano, die für mich dieses Gefühl des Blinden Flecks genau auf den Punkt bringen. Bei der hier gezeigten Arbeit muss man ganz nah an die Spiegelecke herantreten, um sich überhaupt zu spiegeln, aber es bleibt trotzdem trüb.

Dienstag, 21. Januar 2014

Schreiben und Kinder: Von Pilgerreisen, Mittelohrentzündungen und Provinzdiskos




Die Literarische Welt hat gefragt, wie das so ist mit der Vereinbarkeit von Schreiben und Kindern.
Annett Gröschner, Tilman Ramstedt, Kathrin Schmidt und viele andere haben geantwortet.

In meinem Text  "Romane schreibt man nicht in Teilzeit" erzähle ich von meiner ersten hochschwangeren Lesung, vom Zusammenhang zwischen Schlafentzug und Pilgerreise, vom halbseidenen Wippen und meinem wackeligen Selbstverständnis als schreibende Mutter.

Was ich in der Welt nicht erzählt habe, sind die Provinzdisko-Ausflüge mit den Buchhändlern, in die man sich auch nur dann so reinstürzen kann, wenn man gerade der siebenundzwanzigsten Mittelohrentzündung seines kleinen Sohnes entkommen ist.

Freitag, 17. Januar 2014

Großer Spaß: Herbert analysiert mein Bücherregal





War das ein Spaß: Herbert analysiert mein Bücherregal!
Es ging um Heimweh- und Fernwehdenker, um Schüchternheit, Frauenliteratur und Hedonismus.
Hier zeige ich Herbert gerade den Giftschrank in meinem Arbeitszimmer. Von mir aus hätten wir noch ein paar Stunden weiter drehen können, sich mit Herbert anzupflaumen ist eine meiner Weltlieblingsbeschäftigungen.

Dienstag, 26. November 2013

Das muss ich haben!


Als ob ich es nicht immer geahnt hätte, hier an meinem Kirschholztisch auf meinem Kirschholzstuhl: es geht wesentlich cooler.

Danke Gekettes!

Mittwoch, 13. November 2013

Faz-Blog mit Radau

Logo: Anna Sartorius von e o t


Heute mit einem Text von Annett Gröschner und Nora Bossong zum Umgang mit der NSA-Affäre.

"Mit Radau"

Ein Plädoyer für die weitere Einmischung der Überwachten. Der Beitrag thematisiert auch die fortdauernde Antwortlosigkeit der Regierung auf den offenen Brief, den wir (zwei Dutzend Autorinnen und Autoren samt kistenweise Unterschriften) im September vor dem Kanzleramt überreicht haben.


Dienstag, 12. November 2013

Literarisches Quartett für Kinder und Jugendliche


 
 
 
Am Sonntag, den 17.11. um 15 Uhr findet wieder "Das Literarische Quartett für Kinder und Jugendliche" in der Tucholsky-Buchhandlung (Tucholskystraße 47) in Berlin statt. 
Diesmal stellen die jungen Kritiker u.a. "WUNDER" von Raquel J. Palacio und "Artemis Fowls - Das magische Tor" von Eoin Colfer vor. 
Der Buchhändler und ich moderieren. Es gibt Gummibärchen. Kommt vorbei!

Montag, 11. November 2013

Neues Blog auf FAZ.NET: Ich. Heute. 10 vor 8.







     
Endlich! Heute geht es los mit unserem Blog auf FAZ.NET.
Wir, das sind: Autorinnen, Verlegerinnen, Journalistinnen, Wissenschaftlerinnen, Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Musikerinnen und Gastautorinnen aus allen Ecken der Gesellschaft.

Ab jetzt Montag, Mittwoch, Freitag morgens um 10 vor 8.

Mit Annett Gröschner, Nora Bossong, Elisabeth Ruge, Stefanie Lohaus, Julia Voss, Ulrike Demmer, Katharina de la Durantaye, Marion Detjen, Catherine Newmark, Andrea Hanna Hünniger, Julia Eckert und vielen anderen. 

Den Anfang mache ich mit: "Der Bürger im liegenden Kaktus". Heute im Feuilleton und Online.


Das Logo hat Anna Sartorius von e o t - Büro für Buchgestaltung und Ausstellungsdesign entworfen, und die Autorinnenportraits hat Erica Overmeer fotografiert.

Viel Spaß beim Lesen!

Freitag, 18. Oktober 2013

Klassik-Pop-Et Cetera im Deutschlandfunk

 


Am Samstag, den 19.Oktober um 10.05 erzähle ich Ihnen in der Sendung Klassik-Pop-Et Cetera im Deutschlandfunk Geschichten über Lieder, die in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben.

 So bekommen Sie neben der wunderbaren Regina Spektor u.a. Schubert, Falco, Gudrun Gut, Philip Glass und Björk zu hören. Und dazu Geschichten über den coolen Sohn meiner Klavierlehrerin, über die erste heißverliebte Autofahrt mit meinem Mann, übers Brötchenschmieren mit Lisa Bassenge, warum spätabends oft mal Falco sein muss, und und warum ich im ersten Klavierkonzert meines Lebens einen Matrix-Moment hatte.



Freitag, 11. Oktober 2013

Video zur Buchpremiere von Katharina Grosse



Eigentlich sollte hier das Video der Buchpremiere von Katharina Grosse in der Sammlung Hoffmann eingebettet sein (bin mir nicht mal sicher, ob die Vokabel stimmt), aber ich schaffe es leider nicht...
Deswegen bekommen Sie hier nur den link: https://vimeo.com/76062813.

Donnerstag, 19. September 2013

Kisten schleppen mit Autoren

 
Juli Zeh hatte vor einiger Zeit einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben, um gegen die Haltung der Bundesregierung zur PRISM-Affäre zu protestieren, den viele Autorinnen und Autoren unterschrieben haben, u.a. ich. Inzwischen sind es 67.407 Unterschriften. Eine Antwort kam nie. Gestern haben wir den Brief vor dem Zaun des Kanzleramts noch einmal laut vorgelesen und unsere Kisten mit den Unterschriften im Bundespresseamt abgegeben. Es hat den ganzen Tag geregnet, nur in den eineinhalb Stunden nicht.  Sprechen wollte niemand mit uns. 

Wir fordern keine Lösung, sondern eine Willenserklärung. Netzpolitik ist Weltpolitik. Marcus von Jordan schrieb mir neulich: Die Frage nach der Sicherheit unserer Dekade werde der Tinnitus der nächsten Dekade sein. Es geht ja nicht nur um Briefgeheimnis etc., es geht um den Anspruch auf Mündigkeit und Freiheit jedes einzelnen Bürgers. Die Technik wird es nicht richten, Verschlüsselungen sind symbolische Akte. Es ist also dringend nötig, dass unsere Regierung ihre Aufgabe ernstnimmt, Schutzmacht der persönlichen Freiheitsrecht zu sein. Ich frage mich auch, warum hier ein Menschenbild zugrundelegt wird, das vom Menschen als Risikofaktor ausgeht. Jedem kontrollgesellschaftlichen Begehren muss Einhalt geboten werden. All das klingt total naiv, muss aber trotzdem gesagt werden. Vielleicht tat es deshalb so gut, mit den Anderen die Kisten zu schleppen.

Tagesschau hat berichtet, und die Kulturzeit auch:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=38496


Dienstag, 17. September 2013

Uncontrollable generosity - über die neue Monografie von Katharina Grosse


Gestern war die Buchpremiere von "Katharina Grosse", der Monografie, die Katharina Grosse, Ulrich Loock und ich zusammen herausgegeben haben. (Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln)

Das Gespräch fand in einem Werk von KG in der Sammlung Hoffmann statt. Erika Hoffmann trug selbst die tollsten Farben. Katharina, Ulrich und ich unterhielten uns rauschend über Vandalismus, positive Verschwendung, den euphorischen Umgang mit Grenzen, über den Zusammenhang von Sexualität und Malerei, den Blick und Feldspielstrategien.

Zwei Jahre haben wir an diesem Buch gearbeitet. Als wir anfingen, wussten wir überhaupt nicht, was es werden sollte. Ulrich erzählte gestern, dass wir ihm auf die Frage, über was er denn schreiben solle, geantwortet hätten: "Über alles!" und "Am Schönsten wäre Überschuß!" Wir haben die Bilder nach Resonanzen zusammengestellt und sind ihren Anziehungskräften gefolgt. Die ganzen zwei Jahre war ein Raum in Katharinas Haus mit unseren Bildern und Zetteln vollgeklebt. Es gab keine Institution im Hintergrund, keine finanziellen oder zeitlichen Limitierungen - paradiesische Zustände also. Die Kapitel heißen u.a.: "Uncontrollable generosity", "Meta entgleist", "Sphärenchips" und "Stoffwechsel".
Ich bin glücklich.





Montag, 12. August 2013

Graswurzeln 34 Meter über dem Meer




Über die Inselgalerie hat die von mir verehrte Julia Voss neulich einen Artikel in der FAZ geschrieben:

Berlin ist die Hauptstadt der Graswurzelbewegung

Das gilt auch in der Kunst: Die Berliner Inselgalerie entdeckt Malerinnen, deren Werke man selten im Museum findet. Damit korrigiert sie unrechtmäßige Leerstellen in der Kunstgeschichte. 


Ich freue mich also umso mehr auf den Abend!


Mittwoch, 31. Juli 2013

Wir Teflon-Bürger


Teflon ist nicht nur ein unverzweigtes, linear aufgebautes, teilkristallines Polymer aus Fluor und Kohlenstoff mit einem sehr geringen Reibungskoeffizienten, ich mag Teflon auch als Metapher so gerne, dass ich mein erstes Buch so genannt habe.
Die DuPont Company, der der Markenname Teflon gehört, hat sich übrigens ausdrücklich von meiner Erzählung distanziert. Wir durften Folgendes abdrucken: "DuPont has not authorized the use of Teflon in this book." Toll, oder?

Die Geschichte zu dem Cover von Teflon ist auch toll:




Meine Freundin Bettina Khano durfte das Cover gestalten. Sie machte einen wunderbaren Entwurf nach dem anderen, doch alle passten Suhrkamp nicht so richtig. Bei einem der letzten Telefonate, fiel dann der zündende Satz: "Frau Khano, wir brauchen einen Eyecatcher, verstehen Sie?" Frau Khano verstand. Eyecatcher -das können sie haben! Sie ging in Rudis Resterampe nebenan, kaufte dieses wunderbare Exemplar eines Eyecatchers und eine kariert-geblümte Wachstuchdecke, platzierte die beiden Rudi-Utensilien im Himmelblau und schickte es ab.

Und weil ich Teflon so mag, habe ich gerade noch einen Text mit diesem Wort im Titel geschrieben. Es ist mein zweiter Wahlkampf-Kommentar, der heute im Zündfunk gelaufen ist. Hier können Sie ihn nachhören: "Wir Teflon-Bürger".

Norbert Niemann und ich wechseln uns in unseren Kommentaren ab, und wenn Sie seinen Kommentar auch hören möchten, dann können Sie das hier: "Eine Verhöhung der Demokratie".

Donnerstag, 4. Juli 2013

Apathie, Apathie




Das hier sind Norbert Niemann, Katja Huber und ich bei einer Zündfunklesung, da war's noch lustig.
Jetzt schreiben Norbert Niemann und ich im Wechsel für den Zündfunk (BR 2) über den Wahlkampf. Und bei der Apathie, die ich im bisherigen Wahlkampf beobachtet habe, ist mir das Lachen vergangen.
Es wird also höchste Zeit, wieder mit Katja und Norbert auf einer Bühne zu sitzen, bzw. noch besser: höchste Zeit für ein Ende der Politiksimulation.

Den ersten Kommentar können sie hier nachhören: "Leere Schachteln".



Sonntag, 30. Juni 2013

hurt or heal

 
 
 
Gestern durfte ich Eva Illouz über Shades of Grey hören und danach mit ihr abendessen (manchmal ist das Leben reich an Güte).
Ich weiß nicht, wem ich lieber gegenüber gesessen hätte! Gut, ja, Johnny Depp und ein/zwei Anderen, die hier nicht verraten werden - aber da Johnny langsam aus dem letzten Loch pfeift und die Anderen nicht verraten werden können, war Illouz doch die N°1 Wunsch-Abendgesellschaft! 
Ich hab noch nie eine so eine direkte, durchlässige und leidenschaftliche Denkerin erlebt. In meinem Buch steht jetzt: "To Annika, who knows that words only hurt or heal." 
Auch so ein Satz.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Durch den Wind in der Schweiz

RTR, G. Dazzi

Gerade habe ich was Schönes gefunden: ein Gespräch, das ich 2010 mit Hardy Ruoss für die Reihe "52 beste Bücher" im Schweizer Radio über meinen Roman "Durch den Wind" geführt habe. Eine Frage besser als die andere. Ich weiß noch genau, wie euphorisiert ich aus dem Sender gelaufen bin. 
Was mich jetzt beim Hören nach drei Jahren aber doch sehr erstaunt, ist, wie wenig ich auf seine Fragen zur Emanzipation eingegangen bin.Und was mich auch noch erstaunt: dass ich heute das erste Mal nachgeschaut habe, wie er eigentlich aussieht, der Herr Ruoss. Hier ist er, und hier kann man's Nachhören: Klick.




Montag, 10. Juni 2013

34 Meter über dem Meer als Hörspiel

Zwei Frauen beim Einsprechen eines Hörspiels im Tonstudio (Rechte: WDR)



Im WDR 5 läuft am Dienstag, den 11. Juni, um 20.05 Uhr "34 Meter über dem Meer" als Hörspiel.

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Ella und Horowitz klingen, und Ellas Mutter erst!

Als ich das Hörbuch von "Durch den Wind" das erste Mal gehört habe, war ich erstaunt, wie groß die Diskrepanz  zwischen den inszenierten Sätzen und den Sätzen in meinem Kopf waren. "Meine" Frauenfiguren waren beispielsweise viel freundlicher und witziger als in der Inszenierung. In den Tagen danach habe ich mich immer wieder gefragt, ob ich mich selbst vielleicht auch wesentlich freundlicher und witziger einschätze als die Welt da draußen das tut, und habe inständig nach einer Form gesucht, meine Freunde dazu zu befragen, ohne mich komplett lächerlich zu machen.
Diese Art Rückschluss von meinen Texten auf mein Selbstbild finde ich normalerweise irrelevant und uninteressant, aber durch die Interpretation eröffnete sich ein Raum, in dem solche Fragen auftauchten.

Für mich wird das morgen also aus mehreren Gründen ein aufregender Abend, und meine Freunde werden in den nächsten Tagen dann vielleicht auch wieder den einen oder anderen seltsamen Anruf bekommen.


Bearbeitung: Cornelia Walter 
Regie: Petra Feldhoff
Es sprechen: Anne Kanis, Peter Prager, Barnaby Metschurat, Barbara Schöne u.a.

Freitag, 17. Mai 2013

Nach Moos und nach Märchen



Das hier habe ich gerade fünffach von einem Paketboten überreicht bekommen, der aussah wie Patti Smith mit Mütze. Wenn das kein großartiges Omen für ein Buch übers Nachtleben ist!

Die Sammlung ist bei Suhrkamp erschienen und handelt u.a. von Moos und Märchen, Menschenfischern, Mülltüten, Maulbeeren und einem Hegelator. Meine Erzählung sucht das Berghain und findet Jessica 800. Marc Fischer stand auch "Vorm Berghain" - ich werde ich jetzt gleich mal lesen, was er da zu suchen hatte.

Nächsten Freitag lesen Jenni Zylka, Imran Ayata, Bernd Cailloux und ich unsere Geschichten vor, moderiert von Dirk Knipphals. Anschließend spielt Doctorella. Kommt Ihr?

24. Mai 2013 um 20 Uhr im Ex-HBC, Karl-Liebknecht-Straße 9


Mittwoch, 20. März 2013

40 Jahre, 40 Bücher und 1 Handstand




Mein Bruder schenkt mir jedes Jahr zu Weihnachten Bücher, die mein Freund Marc von der Münchner Lieblingsbuchhandlung Lehmkuhl auswählt. Und jedes Jahr denke ich wieder, woher weiß der so genau, wer ich bin?

Gerade bin ich vierzig geworden, und diesmal hat ganz Lehmkuhl gesucht. Das Ergebnis hat mich umgehauen: Vor Ihnen steht ein Porträt in 40 Büchern. Ein bisschen so sehe ich schon aus, finden Sie nicht?

Inzwischen bin ich überzeugt, dass die Lehmcoolen nachts in meine Wohnung einsteigen und mein Bücherregal fotografieren. Wie sonst ist es möglich, dass sie bei vierzig Büchern, die ins Schwarze treffen, nur sechs Bücher ausgesucht haben, die ich schon kenne, und alle mochte?

Björn Bickers, Kathrin Rögglas und Elfriede Jelinkes Bücher standen sowieso auf meiner Liste, über Marie-Louise Scherer habe ich gerade ein tolles Porträt von Katharina Teutsch gelesen, über die Vergessen-Sie-Shades-of-Grey-Schmonzette "Versuchung" habe ich sehr gelacht, Jonas Lüscher ist mir gerade vom Tucholsky-Buchhändler als neues Lieblingsbuch empfohlen worden, Über die Liebe lese ich sowieso am liebsten, auch wenn es ihre kapitalistische Formatierung oder eine desaströse Verbindung zu einem 15 Jahre jüngeren Mann ist - und so geht es in einem fort. Im Stapel liegen Bücher über Kokain, Brüste, Versteckspiele und Heimschwimmen. Wie soll man an einem solchen Geburtstag nicht glücklich sein?

Als Dank habe ich den ersten freistehenden Handstand meines Lebens gemacht.

Montag, 11. März 2013

Das ist das Haus vom Nikolaus - Düsseldorfer Performances

Hartmut Fetter: Tüten und Noemi Weber: Das Haus

Seit einiger Zeit unterrichte ich die Klasse Katharina Grosse an der Düsseldorfer Akademie in Textarbeit. Wir lesen inspirativ Flusser, Kamper, Deleuze, Didi-Huberman und die Anderen. Wir schauen uns die neuesten Arbeiten an, die im Atelier entstehen, und setzen sie zu den Texten in Verbindung. Das ist Synapsen-Rock vom Feinsten.

Julia Gruner: Bodenplatten

Beim letzten Rundgang hat die Klasse zusammen mit den großartigen Performance-Künstlern Prinz Gholam Performances erarbeitet. Ich war nur eineinhalb Tage dabei, habe aber eine Woche gebraucht, bis ich  Stewardessen, Kassiererinnen und Kellner nicht mehr des Rollenspiels verdächtigt habe. Ich musste ständig an Handkes Stück "Der Tag, an dem sie nichts voneinander wussten" denken und habe das erste Mal in meinem Leben bewusst geduscht.

Julius Linnenbrink: Kreide

Jeder Dreh an jedem Knauf ein Handgriff mit Metaebene. Jedes Stehen an jeder noch so zugigen Haltestelle mit der Frage versehen, ob wir nicht alle unser Sein performen. Irgendwann war ich dann zu lange in einer Bar, und die Welt als Performance hatte sich wieder ausgerauscht, meine Handgriffe wurden wieder fahrig, und das Wasser prasselte prä-rundgang-mäßig unbehelligt hinter meinem Rücken auf den Boden.

Domingo Chavez: Produktion und Anna Spät: Haare

Schön war die Szene, als ein älteres Ehepaar vor drei Studierenden (Domingo, Aeran, Noemi) stand, die rhytmisch und versunken Zettel an Holzplanken tackerten, und sich ratlos fragte: "Sollte hier jetzt nicht eine Performance stattfinden?"

Paula Förster und Fridolin Schoch: Kohlenseil


Alle Besucher, die mit dem "Ikea-Blick" in die Räume kamen, entgleisten: "Die Klasse Grosse stellt nichts aus." Die meisten anderen waren begeistert. Und noch ein Gerücht ging in den Gängen rum: "Habt Ihr gesehen, die Grosse hat einen silbernen Anzug an? Die performt sicher gleich..."

Liza Dieckwisch, Aeran Kim: Jetzt

Was mich so begeisterte, war, dass jede der Performances es geschafft hat, meine Wahrnehmung so zu schärfen wie schon lange nicht mehr. Für Schritttempi und Zeitwahrnehmung, für Bodenbeschaffenheiten, die Dynamiken des An-einem-Seil-Ziehens, Rückenansichten in der Malereigeschichte, über Intimsphären und Haareziehen und darüber, dass man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

Marco Biermann: Traummaschine
Manche haben sich mehr riskiert, andere weniger, manche haben die Spannung gehalten, andere haben genau das nicht getan. Aber alle haben eine Ausdrucksform gefunden, die nicht übers Sofa passt, aber ihren eigenen Arbeiten einen ganz neuen Dreh gaben.


Paul Czerlitzki: Körper
Zum Schluß gab's bunte Nudeln.

HannaStragholz, Anica Kehr, Lukas Glinkowski: Nudel
Und einen Blick mit Caspar David Friedrich auf die Wand, an der die Kunst nicht mehr hängt.

Josef Zky: Aussicht


Und eine wunderbare Zeitung gab's auch noch. Bravo! Auch an die, die hier nicht verewigt sind.


Und als Nachtrag eine von Lea Peters' Performances mit der ganzen Klasse und eine weitere Rückenansicht, diesmal mit Hut:



Freitag, 8. Februar 2013

Gegen den Steinzeit-Rock!

Hufheels von Iris Schieferstein

Hier mein Fernschreiber-Essay, der am 7. Februar im Zündfunk auf Bayern 2 lief:

Die Steinzeit, Darwin und das Ehrenkreuz der deutschen Mutter – das ist die Hintergrundmusik, die den Refrain im deutschen Familienlied begleitet. Dass die Rollenverteilung biologisch begründet und seit der Steinzeit evolutionär erfolgreich überdauert, ist falsch; dass unser Mutterbild hingegen immer noch Resonanzen zur Nazi-Mutter hat, ist schlimm und keineswegs ein alter Zopf. Ministerin Schröder reflektiert ihre ideologische Formatierung genauso wenig wie all jene, die zwar mehr Kinder für Deutschland wollen, aber weiter auf die deutsche Mutter im Haus und den deutschen Vater in der Arbeit setzen.

Nur ein Viertel der Kinder sind in der Frühbetreuung, der Rest robbt meist ohne Geschwister über den Teppich der mütterlichen Stube. Ein Teppich voller ideologischer Flausen übrigens, über den sich Frauen, die in der DDR aufgewachsen sind, meist nur wundern können, aber bleiben wir bei der Sache: Kitaplätze fehlen, und bevor Frau Schröder diesen Mangel nicht behoben hat, kann der alte Zopf nicht ab, solange verfilzt der Teppich weiter. Doch für Herrn Schröder war Familienpolitik Gedöns, Frau Schröder ist die Personifizierung dieses Gedöns, und das Problem liegt tiefer.

Sei es in der Sexismus-Frage, der Familienpolitik oder der Lohngerechtigkeit – wir brauchen zuerst ein Geschlechterverständnis, das nicht mehr auf biologistischen Annahmen beruht. Kein Stier/Ochsen/Kuh-Gefasel mehr!
Gegen solche Naturalisierungen helfen Historisierungen. Sie zeigen, dass Irrwege nicht naturgebunden und unveränderlich, sondern kulturbedingt und veränderbar sind. Wir müssen also den Wirklichkeitsraum erfassen (und der sieht heute so aus: Kleinfamilie und Ehe sind nur zwei mögliche Modelle von vielen und keine Leitbilder mehr); dann müssen wir den Möglichkeitsraum (Wie wollen wir leben?) durch historische Dekonstruktion des heutigen Zustands öffnen, und das Ganze popularisieren. (Wie erklär ich‘s den Brüderles und Schwesterles?)
 
Öffnen wir also, indem wir das biologische Wesen der Geschlechter durch ihre historische Konstruktion ersetzen: Die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun hat den Ursprung der Geschlechterdifferenz mit der Entstehung der Schrift verbunden. In den Grundzügen besagt ihre These, dass der Abstraktionsprozess, der durch die Schriftlichkeit in Gang gesetzt worden ist, beide Geschlechter gleichermaßen auf ihre Rollen festgelegt hat: Der Mann mit seiner unsichtbaren Zeugungsfähigkeit wurde mehr und mehr der Schrift, dem Geist und der Wahrheit zugeordnet und aufgewertet, während die Frau mit ihrer sichtbaren Gebärfähigkeit dem Prinzip des Lebens, dem Körper und der Natur verbunden und abgewertet wurde. Daraus resultierte dann das Denken in Gegensätzen und Widersprüchen, das unser Verständnis heute noch prägt.

Die These ist sogar noch komplizierter, als sie hier klingt, aber es geht mir um etwas Simples: Frauen- und Männerrollen  haben sich historisch-kulturell entwickelt und wurden nachträglich naturalisiert. Es liegt also an beiden Geschlechtern die Festschreibungen zurückzuweisen und auf die Möglichkeit einer gesellschaftlichen Ordnung zu setzen, die auf Differenzen statt Gegensätzen beruht, und in denen Männer und Frauen gleichermaßen und in allen möglichen Rollen repräsentiert sind. Dass Frauen und Männer, Hetero- und Homosexuelle, Alleinerziehende und Paare, Verheiratete und Unverheiratete gleich gut leben wollen, obwohl sie anders sind, ist kein Widerspruch, sondern normal. Dass die Politik ihnen auch die gleichen Möglichkeiten einräumen sollte, wäre normal, ist es aber nicht. Und wem das jetzt alles zu kompliziert ist, der zieht eben nach Schweden.

Mittwoch, 30. Januar 2013

MAKE LOVE NOT PEACE!



Diese vier Wörter und das Ausrufezeichen stehen in einem Quadrat auf der Rückseite des Merve-Buchs, das ich gerade zugeklappt habe, und das neben Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe das Beste ist, das je über die Liebe geschrieben wurde.

Nachdem mir Eva Illouz mit ihrer These der Ökonomisierung der Gefühle zwar die Wahrnehmung für den Konsum der Romantik geschärft hat, konnte ich doch nie daran glauben, dass die Liebe darin aufgeht. Und jetzt weiß ich auch warum: "Weder das romantische Narrativ noch seine Entzauberung in der postromantischen Sequenz einer sich als Phantasma identifizierenden Liebe treffen ihren aporetischen Kern, der sie als gelebte Differenz ausweist." 
In Steinwegs Text findet sich ein weltaufschließender Satz nach dem anderen:
"Intensität ist, was sich nicht widerstandslos kanalisieren lässt. Wille zur Intensität ist Schablone und romantischer Kitsch." oder:
"Ich liebe, weil ich liebe; weitere Gründe brauche ich nicht. Es gibt keinen Grund, die Liebe Gründen zu unterwerfen. Ihre Kraft liegt in der Weigerung, sich zu plausibilisieren."oder:
"Der Schwärmer liebt, um nicht zu lieben. Er liebt, wenn man dies Liebe nennen kann, sich selbst als Opfer seiner Passion. Er ist das autoerotische Subjekt schlechthin. Nichts kann ihn mehr entzücken als die Intensität seines Erlebens." 

Das Buch lag übrigens schon ein Jahr auf meinem Bücherstapel, nachdem Freunde Marcus Steinweg im Roten Salon gesehen hatten und meinten, bei dem funke es nur so. Jetzt lese ich seine Texte zur Kunst und dann Alain Badiou, den er andauernd zitiert und der mir bisher auch noch entgangen ist. Die Frage ist nur, wann man selbst noch schreiben soll, wenn man andauernd lesen will.